Karakusa Chinkin Natsume (Teedose mit Arabesken-Schnitzerei), Maeshi Shigeo
Karakusa Chinkin Natsume (Teedose mit Arabesken-Schnitzerei), Maeshi Shigeo
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Diese sehr reich verzierte japanische Natsume (棗) wurde von dem Wajima-Lackkünstler Maeshi Shigeo (前志芸男) gefertigt. Die tiefschwarze Lackoberfläche ist fast vollständig mit einem raffinierten Muster aus goldenen Pflanzenranken bedeckt, das in der traditionellen Chinkin-Technik ausgeführt wurde. Das Motiv, bekannt als Karakusa (唐草), besteht aus anmutig geschwungenen Blättern und Ranken, die ohne erkennbaren Anfang oder Ende ineinander übergehen. Ein jahrhundertealtes dekoratives Thema, bei dem die Wuchskraft und die ständige Bewegung der Natur im Mittelpunkt stehen.
Motiv
Die Darstellung zeichnet sich durch einen außergewöhnlichen Detailreichtum aus. Große, spiralförmige Ranken entfalten sich über die gesamte Oberfläche. Dazwischen erscheinen stilisierte Blätter, die aus feinen, parallelen Linien aufgebaut sind und dem Gold eine beinahe textile Struktur verleihen. Auffällig ist der Rhythmus der Komposition. Die Ranken drehen sich umeinander, verschwinden hinter anderen Formen und tauchen anderswo wieder auf. Das Auge wandert dadurch beständig über die Oberfläche. Der schwarze Lack bildet einen tiefen Kontrast zur goldenen Dekoration. Dort, wo das Gold dicht beieinander liegt, entsteht eine warme, fast leuchtende Ausstrahlung. In den schmalen schwarzen Zwischenräumen gewinnt das Muster hingegen an Tiefe und Bewegung. Die Dekoration ist üppig, aber nicht willkürlich. Jede Locke schließt an die nächste an, wodurch das Ganze einen bemerkenswerten Zusammenhalt bewahrt.
Symbolik
Karakusa bedeutet wörtlich „fremde“ oder „ausländische Pflanzenranken“. Das Ornament gelangte durch den kulturellen Austausch mit dem asiatischen Festland nach Japan und entwickelte sich dort zu einem beliebten Motiv in Textilien, Keramik, Metallarbeiten und Lackkunst. Die sich immer weiter ausbreitenden Ranken werden traditionell mit Lebenskraft, Wohlstand, Verbundenheit und Kontinuität assoziiert. Da sich das Muster in Gedanken endlos fortsetzen lässt, wird es auch mit einem langen Leben und dem Fortbestand nachfolgender Generationen in Verbindung gebracht. In dieser Natsume erhält diese Symbolik eine besondere Form. Die einzelnen Blätter sind beständig miteinander verbunden, ohne dass eines davon die Komposition dominiert. Das Gesamtbild beschwört die Natur als eine fortlaufende Bewegung von Wachstum und Erneuerung herauf.
Handwerk
Die Natsume wurde in der Tradition der Wajima-Lackkunst aus der japanischen Präfektur Ishikawa gefertigt. Die Dekoration wird in der Auktionsbeschreibung als Chinkin Maki-e bezeichnet. Chinkin (沈金) ist eine spezialisierte Technik, bei der Linien mit feinen Werkzeugen in eine ausgehärtete Lackoberfläche graviert werden. Diese werden anschließend mit Gold gefüllt, wodurch sich das Muster scharf vom dunklen Untergrund abhebt. Anders als bei gewöhnlicher Malerei entsteht die Darstellung also auch durch das sorgfältige Einschneiden der Oberfläche. Gerade bei einem dichten Muster wie diesem erfordert diese Arbeitsweise höchste Präzision. Die feinen Schraffuren in den Blättern, die gleichmäßigen Rundungen und die gegenseitige Anbindung der Ranken zeigen, wie viel Sorgfalt in die Dekoration geflossen ist.
Objektdaten
- Künstler: Maeshi Shigeo (前志芸男)
- Titel: Karakusa Chinkin Natsume (唐草沈金棗)
- Herkunft: Wajima.
- Technik: Chinkin, Golddekoration in graviertem Lack
- Material: lackiertes Holz, vermutlich natürlicher Urushi-Lack
- Motiv: Karakusa, durchlaufende Pflanzenranken
- Zeitraum: Shōwa/Heisei
- Zustand: Sehr gut
- Zubehör: zugehörige Holzschatulle (Tomobako), mit kalligrafischer Inschrift
Signatur und Künstler
Maeshi Shigeo wurde 1937 in Wajima in der Präfektur Ishikawa, Japan, geboren. Er war der zweite Sohn des renommierten Lackkünstlers Mae Taihō (前大峰, 1890–1977), der 1955 für seine Meisterschaft in der Chinkin-Technik als Lebender Nationalschatz anerkannt wurde. Maeshi Shigeo wuchs in dieser herausragenden handwerklichen Tradition auf und erlernte das Fach von seinem Vater. Innerhalb der Familien- und Werkstattradition wurde der Künstlername Shigeo einer früheren Generation fortgeführt. Maeshi Shigeo verstarb im Mai 2024 im Alter von 87 Jahren.
Maeshi Shigeo ist vor allem für dekorative Gegenstände für die japanische Teezeremonie bekannt, darunter Natsume, kleine Lackdöschen für Matcha, sowie Weihrauchdöschen. Sein Werk zeichnet sich durch die raffinierte Chinkin-Technik aus, bei der feine Linien in die Lackoberfläche graviert und mit Gold akzentuiert werden. Naturmotive wie Kiefernnadeln, Chrysanthemen und Paulowniablätter spielen eine wichtige Rolle in seiner dekorativen Gestaltung. Seine Arbeit spiegelt die japanische Tradition wider, in der technische Meisterschaft, Liebe zum Detail und Respekt vor der Natur zusammenkommen, während die Weiterführung des Künstlernamens die Übertragung handwerklichen Wissens zwischen den Generationen symbolisiert.
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